Wer singt, betet doppelt: Das wusste bereits Martin Luther

eingetragen in: Alle Beiträge
Stiftungen sollen Kirchenmusik retten

Doch den evangelischen Kirchengemeinden in der Region fällt es immer schwerer, den Kantor an der Orgel zu bezahlen. Stiftungen sollen helfen, dass Kirchenmusik auch in Zukunft die Herzen der Menschen berühren kann.

Zum Beispiel Menden: Hier wird am Sonntag die Stiftung Kirchenmusik in der evangelischen Heilig-Geist-Gemeinde mit einem Fest ins Leben gerufen. Kantor Helmut Brandt beschreibt die Zwänge, mit denen die Christen zu kämpfen haben: „Die Zahl der Kirchensteuerzahler nimmt ab. Die Gemeinden müssen enger zusammenrücken und sehen, dass es zunehmend schwieriger wird, hauptamtliche Kirchenmusiker zu halten. Da sind Lösungen gefragt.”

Orgelklang

Die Stiftung Kirchenmusik will dazu beitragen, die Zukunft von Orgelklang und Chorgesang finanziell zu sichern. Brandt: „Uns als kleiner Gemeinde kommt es darauf an, überhaupt erst einmal die Möglichkeit zu schaffen, dass zugestiftet wird. Wir starten mit 5000 Euro, das ist der Mindestbetrag. Wir wissen, dass die Stiftung auf viele Jahre angelegt ist.”

Während die evangelischen Kirchenmusiker auf dem Land, gerade in der Diaspora, mit großen Problemen zu kämpfen haben, sieht Landeskirchenrätin Karin Moskon-Raschick von der Westfälischen Landeskirche in Bielefeld den Bereich dagegen im Aufwind: „Wir haben rund 111 Hauptamtliche in Westfalen. Für den Zeitraum der vergangenen 15 Jahre haben wir sogar einen Stellen-Zuwachs.” Die Landeskirchenrätin räumt jedoch ein, dass es „in ländlichen Gebieten Situationen gibt, wo die Gemeinden aus finanziellen Gründen die Kirchenmusik reduzieren. Wir raten dann zu Zusammenschlüssen auf Kirchenkreis-Ebene”.

Die wachsende Zahl von Stiftungen sieht Bielefeld positiv, mit Vorbehalt. „Das motiviert auch zur Entlastung der Kirchen, was die Personalkosten betrifft. Das sehen wir nicht so gerne. Man darf die Gemeinden nicht aus der Verantwortung für die Kirchenmusik entlassen”, so Karin Moskon-Raschick.

Gründung wurde notwendig

Genau aus diesem Grund wurde aber 2006 die Gründung der Stiftung Kirchenmusik im Sauerland notwenig. Kreiskirchenmusiker KMD Gerd Weimar hatte eine halbe Stelle beim Kirchenkreis Arnsberg und eine halbe in der Gemeinde Arnsberg. Als diese zum zweiten Mal in ein großes strukturelles Haushaltsdefizit geriet, entschied sie sich gegen einen hauptamtlichen Musiker. Pfarrer i.R. Hartmut Köllner aus Meschede, Vorsitzender der Stiftung:

„Wir haben uns gesagt, es kann nicht sein, dass dieser gute Mann auf der Straße steht und eine Stiftung mit 100 000 Euro Einlage gegründet.” Weimars Stelle wird jetzt zur Hälfte vom Kirchenkreis und zur Hälfte von der Stiftung finanziert. „Es ist fantastisch, dass Weimar sich dieser Situation gestellt hat und vorzüglich kooperiert”, lobt Köllner.

Die Stiftung Kirchenmusik im Sauerland ist ein Erfolg. Binnen weniger Jahre ist das Kapital auf 320 000 Euro angewachsen. Dahinter steht viel Engagement. „Man muss kreativ sein”, bilanziert Pfarrer Köllner. „Die Leute spenden, die Leute stiften, wir verkaufen Wein und CDs und versuchen, mit Konzerten etwas gut zu machen. Wir kooperieren mit dem Kulturring Meschede und mit der Abtei Königsmünster.” Besonders der Weinverkauf hat über die Region hinaus Schlagzeilen gemacht, bietet die Stiftung doch edle Tropfen unter dem Etikett „Edition Stiftung Kirchenmusik im Sauerland” an. 11 000 Flaschen sind bereits abgesetzt worden – für Bach und seine Nachfolger.

Der Beruf des Kirchenmusikers wird gerne unterschätzt. Dabei ist kaum ein anderer so vielseitig. „Entscheidend ist die Basisarbeit”, unterstreicht Kantor Brandt aus Menden. „Kirchenmusik braucht einen Ort, wo sie angesiedelt ist. Ich gehe in die Kindergärten, habe einen Kinderchor und einen Jugendchor, leite die Kantorei und betreue die Gottesdienste als Organist.” Um größere Chorwerke aufzuführen, müssen die Kantoreien allerdings immer häufiger mit anderen Chören zusammenarbeiten. Brandt: „Die ganze Chorarbeit ist überkonfessionell, das war sie schon immer.”

Gute Erfahrungen

Der Kirchenkreis Arnsberg hat gute Erfahrungen damit gemacht. Pfarrer Köllner listet auf: Das Kinder- und Jugendchorprojekt Vokal Total. Die Kreiskantorei, die im Gottesdienst singt. Der Projektchor für die großen Oratorien. Derzeit wird ein Kammerchor gegründet. „Viele Katholiken singen bei uns mit”, hebt Köllner hervor. „Das ist ein ökumenisches Projekt und ein kultureller Beitrag für die ganze Region.”

Während die Stiftung Kirchenmusik im Sauerland bereits gezeigt hat, dass sich zahlreiche Menschen begeistern lassen, ist der Mendener Kantor Helmut Brandt zuversichtlich, dass auch die kleinere lokale Initiative Früchte trägt: „Das Schöne ist, dass die Stifter etwas für die kommenden Generationen hinterlassen können, etwas Gutes tun können, das bleibt.”

 

Text: Monika Willer
Westfalenpost vom 22.01.2010